30
Jul
2004

sub soup

Hallo Marianne! Ich bin es, der Subtext.

Ich weiss, wir haben uns nie besonders gut gekannt und es mag dir fremd erscheinen, dass ich dich so direkt anspreche. Vielleicht solltest du dir was überziehen. Viele halten mich für arrogant, weil ich mich nicht immer sofort aufdränge, andere meinen, ich wäre mir zu gut, mich ihnen überhaupt zu offenbaren. Zu Teilen haben sie beide Recht, wollen dabei jedoch nicht erkennen, dass es ihre eigene Oberflächlichkeit ist, die mich abschreckt. Denn ich bin immerdar. Im Grunde kann ich mich nicht beschweren. Denn ich bin der Grund. Die Gründigkeit.
Ich bin gewesen, bevor ihr Primaten auf die Idee gekommen seid, euch von Grunz- und Klopflauten zu verabschieden. Alles was ihr vollbracht habt mit diesem wortgewaltigen Haufen, den ihr Sprache nennt, mit dem ihr euch untereinander zu verständigen sucht, definiert und konjugiert, ist meist nur ein plumper Annäherungsversuch, ihr wollt mich ansprechen, doch ich bin für euch unsagbar, ich stehe zwischen zu vielen Zeilen.

Eure Wörter sind euch heilig, sie sind köstlich: Sie tragen eure Wünsche und Gebete, die Hoffnung und den Trost, euren Witz und eure Poesie, sie sind Waffen, sie verführen, sie befehlen, sie beschimpfen, sie beleidigen und auch Lüge und Verleumdung sind erst mit der Sprache in die Welt getreten. Doch Wörter sind Tölpel. Sie sind vieldeutig, missverständlich und für viele Schattierungen in euren Sinnen und Gefühlen viel zu grob. Schlichter gesagt – welche Wörter würden auf die Frage antworten: „Wie riecht Dill?“
Euer Grundwortschatz ist derartig anspruchslos. Doch ihr versucht es trotzdem: „Das Wesende der Sprache ist die Sage als Zeige. Das Regende im Zeigen ist das Eignen. Als die Sage ist das Sprachwesen das ereignende Zeigen, das gerade von sich absieht, um so das Gezeigte in das Eigene seines Erscheinens zu befreien.“ Hihi.

Entschuldige. Eigentlich rede ich nicht, für das drumherum seid ihr zuständig. Ich bin der Kern. Schreibt ihr Plattheiten und Unsinn in die Welt, so viel es euch beliebt – das schadet nicht: denn es wird allerspätestens mit euch zu Grabe getragen. Doch die Sprache lasst ungehudelt und unbesudelt. Denn sie ist eure einzige Chance, zu verstehen. Ohne sie könnte ich euch nicht dabei helfen. Und versuche ja, zu helfen.

Mir ist schon früh aufgefallen, dass wir oft keinen wirklichen Draht zu einander aufbauen konnten. Vielleicht hätte ich es dir leichter machen können, doch das ist nicht meine Art. Und war nie meine Absicht. Ich bin, wenn du nicht Wort für Wort denkst. Nicht kopierst sondern kapierst, dich nicht deinen Gefühlen auslieferst sondern weißt. Dein Stolz, deine Verletzlichkeit, deine Maximen und Vorstellungen, ich kenne dich besser als du glaubst, denn ich höre nicht auf das, was du sagst: Ich weiß, was du sagen willst. Oder eben nicht sagen willst. Und ich verliere langsam die Geduld mit dir.
Ich habe dich nicht angeschrieben, um dir zu drohen, ich möchte nur, dass du zwei Dinge erkennst. Dass du sie auch verstehst, kann ich nicht gewährleisten, denn ich spreche ja in deiner Sprache:
Ich kann besser mit der Ratio als mit deiner kreativen Gefühlsduselabteilung. Versteh mich bitte nicht falsch: ich hege größte Achtung vor der Kreativität der Menschen, doch darum geht es einfach nicht. Die Zufallskomponente, die dabei ins Spiel kommt, ist charmant, aber schwammig. Zwar ist die Ratio nicht minder auf deine Erfahrungen und Eindrücke gebaut, doch ihr fällt es leichter, zu verknüpfen. Ich mag Verknüpfungen.

Eure kollektiv-Erfahrung weiß längst, dass ihr von Geburt an ein gutes Herz und die Fähigkeit besitzt, Richtiges von Falschem zu unterscheiden, also richtig zu verknüpfen. Doch es ist nicht zuletzt der Stolz, der die tabula rasa bekritzelt, gewusstes abschabt und sich wie ein Keil zwischen gefühltes Inneres und den Filter eures Primärbewusstseins schiebt. Er lässt drastisch erscheinen. Du könntest vor Zorn eigentlich weinen, aber der Stolz.
Leider verwechseln viele deiner Rasse ihn mit Würde. Man kann zwar würdevoll sein, ohne Stolz zu sein, umgekehrt geht das jedoch nicht.

Du solltest dich mir nicht auf Dauer entziehen.
Sonst wird dich dein Inneres mit Schauer überziehen.
Deine Freunde werden fliehen,
glaub mir es wird geschien.
weil es dir unter Bekannten so bequemlichgut passt.

Doch für Sinnentleertes bin ich nun mal leider nicht zu haben,
du musst tiefer graben, um auch nur an meiner Hülle zu schaben.
Ich schwinge mit bei Menschen, die dich ehrlich von Herzen lieben.
Du hast so vieles zu gieben außer nutzlosen Hieben, die dich bremsen statt schieben,
schwiegen schwoben Schwaben sieben. Wer ist denn schon geblieben,
wenn es wirklich drauf ankam? Deine einfältige Ideologie,
die du nicht einmal wirklich gelebt hast.

Weißt du, hin und wieder einen Knispel zu rauchen, hat dir nicht geschadet. Du warst sensibler für mich. Manchmal sind dir so sinnlose komische Sachen wichtig, und ich soll sie übermitteln? Ich bin wählerisch geworden. Ich bin der Doktor der Kommunikation, ich hab dieses Herzabhörding um den Hals. Wenn du auch Unsinn faselst, ich kann trotzdem noch was für dich rausholen.
Sometimes we’re all our worst enemies. Ob du bis hier hin gelesen hast oder nicht, ich blicke durch deine Augen. Und wenn wir gemeinsam jemanden ansehen, etwas lesen, sich gesagtes, gefühltes, gerochenes und gedachtes auf eine ähnliche Frequenz einschwingen, dann erhebe ich mich über die Kakophonie, bin die Gänse- auf deiner Kopfhaut, ich verstehe dich. Du bist ein gutes Mädchen. Es gibt keinen Grund sich aufzublähen. Du wirst schon sähen, es wird alles gut.

Ich muss dann auch weiter.
Danke für deine Zeit.

Die Natur schlägt zurück

hier kündigt es sich an. Man sollte fliehen, so lange man kann. Insekten aller Länder, vereinigt euch

bäuerchen

gerade hab ich seit langem wieder mit Carmen gesprochen
alles hat nach ihr gerochen, ich hab geredet ununterbrochen.
haben uns kategorisch versprochen,
wir sehn uns in den nächsten Wochen.
(sie denkt, ich will sie nur lochen, aber sie fehlt mir, in Echt)
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reprise

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